Geschichte des AVL

Der Artillerieverein Luzern wurde 1861 gegründet. Die damaligen geschichtlichen Ereignisse nach der Gründung des Bundesstaates 1848 und der Entstehung einer Schweizer Armee ergaben, dass sich die Infanterie und die Artillerie als die grossen Waffengattungen hervortaten. Da auch die ausserdienstliche Tätigkeit ein wesentlicher und auch angesehener Bestandteil des damaligen Lebens der Wehrmänner war, gründete man in verschiedenen Regionen waffenspezifische Vereine. So entstand auch der Artillerieverein Luzern.

Dieser entwickelte sich von der Zeit des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 bis nach dem 1. Weltkrieg zu einer Macht als Verein in der Stadt Luzern. Stolz verkörperte er mit seinen Waffen die sich technisierende Welt von damals. Wer in Luzern bei der Artillerie Dienst leistete, gehörte selbstverständlich auch dem Artillerieverein der Stadt Luzern an.

Die Geschützmanschaft des AVL am Artilleriefest 1883

Man traf sich regelmässig in Vereinslokalitäten, welche jedoch leider ständig wechselten. Das Vereinsleben von damals kannte also auch schon so etwas wie Hektik. So kam es auch, dass im Jahre 1934 der AVL wieder einmal ausziehen musste. Die Vereinsräumlichkeiten im Hotel Rütli wurden gekündigt.
Während zweier Jahre suchte der Vorstand des AVL vergeblich nach einer neuen Vereinsherberge. In Verhandlungen mit dem Stadtrat prüfte man, ob einer der Museggtürme dem AVL zugänglich gemacht werden könnte.
Im Sommer 1936, während den Vorbereitungen zur 75-Jahr-Feier, „rekognoszierte“ der Vorstand auch den Wasserturm als mögliches Vereinslokal. Doch was der Vorstand vorfand, war alles andere als ein bezugsfertiges Vereinslokal. Das Verliess musste von Schutt befreit werden, in der Rüstkammer musste der Verputz erneuert werden, in der heutigen Artilleriestube mussten Fenster ersetzt werden und der Dachstock musste von Taubenkot gesäubert werden.
Diese und noch viel mehr Sachen in Ordnung zu bringen kostete zur damaligen Zeit enormes Geld. Also nahm man mit der Baudirektion der Stadt Luzern Kontakt auf, die eine Uebernahme des Wasserturmes durch den AVL sehr begrüsste. Man kam überein, dass die Stadt die Kosten für die bauliche Substanz, vor allem aussen, übernahm und der AVL den Innenausbau mit Fronarbeit seiner Mitglieder leisten sollte. Und so geschah es.
Im Vereinsorgan „Artillerist Nr. 6“ des siebzehnten Jahrganges steht: Mit Vertrag vom 12.06.1937 überlässt die Stadt Luzern dem AVL die Räume im ersten und zweiten Stock des Wasserturmes, zwecks Einrichtung eines Archivs, Anlegen der Sammlung artilleristischer Requisiten und einer Wehrbibliothek. Damit ist eine jahrelange Entwicklung zu einem guten, vorläufigen Abschluss gelangt..... Der Wasserturm war nun endgültig das Vereinlokal des AVL geworden. Mit Liebe und viel Arbeit wurde und wird der Turm noch heute im Innern durch „Fronarbeiter“ des Vereins ausgebaut oder renoviert.

Der AVL erfüllte von nun an in der Stadt und Region Luzern eine wichtige Rolle im militärischen, gesellschaftlichen, kulturellen und nicht zuletzt auch im wirtschaftlichen Leben.

Der AVL widmete sich nach dem zweiten Weltkrieg, in den 40er und 50er Jahren sehr intensiv dem Schiessen und dem Wehrsport, in jüngerer Zeit ausserdiensliche Tätigkeiten genannt. 
Vor allem die Teilnahme an verschiedensten Schützenfesten, z.B. Rütlischiessen, Morgartenschiessen, Barbaraschiessen und am Eidgenössischen Feldschiessen waren Tradition. Unsere Pistolen und Gewehrschützen brillierten oft und konnten hervorragende Resultate aufweisen. 
Auch unsere Wehrsportler betätigten sich rege an Mehrkampfmeisterschaften wie z.B. an regionalen oder schweizerischen Artilleriewettkämpfen oder nahmen am hochangesehenen Viertagemarsch von Nijmwegen und anderen Märschen teil. Auch die Bergtouren und die Wintersportkämpfe im Langlauf und Skifahren fanden regen Zuspruch. 

Schweizerische Artillerie Tage 1953 in Luzern


Wer sich in den oben erwähnten Disziplinen nicht betätigen wollte, konnte sich dafür an der jährlichen Barbarafeier mit Tanzen fit halten. 
Im AVL hatte aber auch immer Besinnliches Platz, sei es der Barbara Bittgottesdienst, eine Fahnenweihe oder ausgewählte Vorträge und Referate von hochkarätigen Persönlichkeiten. Nicht zuletzt pflegte man, wann immer sich Gelegenheit dazu bot, das gesellige Beisammensein. Wenn die Mauern des Wasserturms sprechen könnten, dann ... (hier schweigt „des Schreibers Höflichkeit“)
Rund um, der AVL ging mit Schwung in die 60er, 70er und 80er Jahre und erlebte da seine bisherige Blütezeit in der Vielfalt seiner Aktivitäten. Die Teilnehmerzahlen an den Anlässen waren sehr ansprechend, ja zum Teil überwältigend. 
Diese Tatsache gründete aber nicht nur im Angebot, das der AVL seinen Mitgliedern bot, sondern auch im Zeitgeist. Der AVL mit seinen Mitgliedern hatte sich im Laufe der letzten Jahrzehnte ein Beziehungsnetz aufgebaut, wo Wirtschaft, Kultur und Politik eine gemeinsame Arena fanden. Modern ausgedrückt konnte man von einer sogenannten „Connection“ des AVL sprechen. Dies machte für unsere Mitglieder vieles möglich und vieles machte der AVL für die Stadt Luzern und die Agglomeration möglich.

Die Einführung der Armee 95 brachte es mit sich, dass die ausserdienstlichen Tätigkeiten nicht mehr das Gewicht hatten wie vorher. Dies brachte auch im AVL die sportlichen Aktivitäten ins Hintertreffen. Subventionen für diesen Bereich wurden gestrichen. Das Schiessen bekam einen anderen Stellenwert. Auch vereinsintern entstand eine neue Ausgangslage. Ein militärischer Verein musste sich öffnen und neue Betätigungsfelder suchen. Als erstes wurde der Verein für Frauen zugänglich und neue Aktivitäten wie der Muttertags- und Bettagsausflug wurden zu Familienveranstaltungen. Auch die Vorstandsreise wurde zu einer Vereinsreise, an der auch Nichtvorstandsmitglieder teilnehmen können. Kurz gesagt: Gegen Ende der 90er steht ein Verein im Umbruch. Es lebe die Zukunft des AVL, der sich nicht mehr nur als militärischer Verein präsentieren möchte.

Sie sehen, grössere und kleinere Ereignisse prägten unseren AVL. Auch nach dem Milleniumwechsel ging es spannend weiter. Wollen Sie wissen wie? Dann schlagen Sie später wieder einmal unsere Homepage auf. Wir schreiben für Sie die Fortsetzung.